Beratung Mobilgeräte

Mobilgeräte Teil 1

Smartphone & Tablet-PC als Alltagshilfe für sehbeeinträchtigte und blinde Menschen

Smartphone und Tablet-PC bieten bei richtiger Auswahl und mit den richtigen Apps* für sehbeeinträchtigte und blinde Menschen einen echten Mehrwert im Sinne eines vielseitigen Alltagshelfers. Dieser kurze Leitfaden ist als Hilfe für all diejenigen gedacht, die sich mit dem Thema zum ersten Mal beschäftigen. Dabei werden typische Fragen aufgegriffen und beantwortet.

*Anm.: Apps sind kleine Programme, die auf dem Mobilgerät installiert werden und so dessen Funktionsumfang erweitern. So kann z. B. aus einem Smartphone mit der richtigen App im Handumdrehen eine elektronische Lupe werden. Apps sind betriebssystem-spezifisch, d. h. sie werden speziell für ein System wie Android oder iOS programmiert und funktionieren dann auch nur dort.

Mobilgeräte Teil 2

Was gibt es aktuell am Markt? Was ist für mich geeignet?

Bei Apple ist die Auswahl sehr übersichtlich, denn Betriebssystem und Geräte kommen immer aus ein und demselben Haus.

Anders sieht es dagegen bei Android und Windows Phone aus. Hier haben verschiedene Firmen wie z. B. Samsung oder Sony die Lizenz erworben, das Betriebssystem von Google auf Ihren eigenen Geräten einzusetzen. Dies hat einen entscheidenden Nachteil. Das Betriebssystem muss auf eine Vielzahl von Geräten angepasst werden, auch bei jedem neuen Update, weshalb viele Geräte mit einer veralteten Version des Betriebssystems laufen.

Dafür ist aber die Auswahl an Geräte riesig. Vor allem bei Smartphones gibt es eine Anzahl von Geräten mit großem Display. Auch die Preise von Geräten und Zubehör liegen zum Teil deutlich unter denen der Firma Apple.

Die Geräte der Firma Apple können dagegen mit größtmöglicher Barrierefreiheit - Screenreader und Vergrößerung sind von Werk aus an Bord und funktionieren weitgehend reibungslos - und mit hoher Zuverlässigkeit punkten. Auf Grund des geschlossenen Systems, bei dem nur geprüfte Apps über den App-Store auf die Geräte gelangen können, gibt es faktisch keine Viren. Außerdem hat Apples App-Store zur Zeit die größte Auswahl an Apps, die speziell für sehbeeinträchtigte und blinde Menschen entwickelt wurden.

Kurz zusammengefasst lässt sich sagen: Weniger experimentierfreudige, blinde und hochgradig sehbehinderte Nutzer, die auf eine gut funktionierende Sprachausgabe angewiesen sind und ein stabiles und aus der Box raus intuitiv zu bedienendes System suchen, das ggf. auch direkt mit Braillezeile bedienbar ist, sind mit Apples Geräten gut beraten, während sich für alle anderen auf Grund der Vielfalt der Geräte und Preise auch ein Blick in die Android und Windows Phone Welt lohnt.

Mobilgeräte Teil 3

Ich habe mich für ein Betriebssystem entschieden, wie finde ich nun das richtige Gerät?

Zunächst stellt sich natürlich die Frage: Smartphone oder Tablet-PC?

Das Smartphone macht vor allem dann Sinn, wenn man - abgesehen von der Telefonfunktion natürlich - unterwegs beim Laufen und beim Bus- oder Zugfahren einen möglichst kleinen und leichten Helfer dabei haben möchte. Nachteilig ist beim Smartphone vor allem für sehbeeinträchtigte Menschen das deutlich kleinere Display, das Lesen mit vergrößerter Schrift zur Qual macht.

Geht es eher darum, das Gerät Zuhause, auf der Zugfahrt oder im Urlaub im Hotel einzusetzen und spielt eine Telefonfunktion keine Rolle, dann ist der Tablet-PC die erste Wahl. Kann man sich nicht entscheiden, so bieten sogenannte Phablets - eine Mischung aus Phone und Tablet - einen Kompromiss; oder man muss eben tiefer in die Tasche greifen und zwei Geräte anschaffen.

Hat man sich für Smartphone oder Tablet entschieden, so hilft nur Ausprobieren vor dem Kauf. Nichts ist bei ständigem Gebrauch Nerv tötender als ein Gerät, das langsam reagiert oder dessen Bedienung wenig intuitiv ist. Neben dem Ausprobieren im Laden können oft Bekannte oder Forenbenutzer, sowie einschlägige Bestenlisten im Internet hilfreiche Tipps für eine Vorauswahl geben. Bei den Tests, die mittlerweile auch für Laien verständlich formuliert sind, erhält man dann auch Infos über versteckte Qualitäten, wie z.B. die Akkulaufzeit.

Mobilgeräte Teil 4

Was muss ich investieren?

Hinsichtlich des Preises lässt sich diese Frage natürlich nicht pauschal beantworten. Generell gilt: je hochpreisiger, umso mehr hat ein Gerät zu bieten. Dies fängt beim Speicherplatz an, der sich bei vielen Geräten leider nicht nachrüsten lässt und setzt sich z. B. in der Schärfe des Displays fort. Man sollte sich aber nicht von der Werbung blenden lassen, sondern sich genau überlegen, ob man bestimmte Zusatzfunktionen überhaupt benötigt.

Die Investition hört beim Kauf leider nicht auf. Nach dem Kauf eines Smartphones oder Tablet-PCs muss man sich sowohl in die Bedienung desselben, als auch in das zugehörige Ökosystem (App-Store, Guthabenkarten etc.) einarbeiten. Dazu muss je nach Vorerfahrung und nach vorhandenem Sehrest viel Zeit und viel Geduld investiert werden. Bringt man neben einer gewissen Neugier auf Neues diese beiden Voraussetzungen nicht mit, so ist vom Kauf eines Smartphones oder Tablet-PCs eher abzuraten.

Oft ist man gerade zu Beginn mit der Einarbeitung im autodidaktischen Verfahren überfordert. Hier kann eine gute Schulung dafür sorgen, dass das Gerät in seiner Funktionsvielfalt tatsächlich verstanden und entsprechend genutzt werden kann. Eine solche Schulung muss ggf. aus eigener Tasche bezahlt werden und sollte deshalb von Anfang an mit eingeplant werden.

Mobilgeräte Teil 5

Was kann ich mit dem Smartphone/Tablet-PC alles machen?

Der Fantasie sind nur Grenzen im Sinne der in den Geräten verbauten Hardware gesetzt. An dieser Stelle seien aus der Vielzahl der Möglichkeiten einige mit dem iPhone getestete Beispiele aus dem Alltag eines fiktiven sehbeeinträchtigten Benutzers genannt.

Per Sprachsteuerung die Freundin aus dem Adressbuch anrufen und fragen, ob sie Lust auf ein romantisches Wochenende in Zürich hat; über die Hotel-App das passende Hotel buchen; mit der SBB-App eine Zugverbindung für den Wochenendtrip heraussuchen; E-Mail App per Sprachsteuerung aufrufen & Reservierungsbestätigung an das Hotel diktieren (Spracherkennung); mit der Wetter-App die Wettervorhersage für das Wochenende abrufen; per Sprachsteuerung den Wecker für frühmorgens stellen; morgens die nächste Busabfahrt zum Bahnhof an der Haltestelle um die Ecke abrufen; im Zug ein Daisy Buch anhören; dann die aktuellen Nachrichten vorlesen lassen; noch schnell den aktuellsten Podcasts hören; irgendwann feststellen, dass man vor lauter tollen Smartphone-Features die Freundin vernachlässigt hat; in Zürich am Bahnhof angekommen den Routenplaner starten und ohne Umwege zum Hotel laufen; abends im italienischen Restaurant mit der Lupen-App die Speisekarte studieren; kurz mal im Wörterbuch nachschauen, was denn um Himmels willen unter "Filetto di Manzo" zu verstehen ist; mit der Taschenlampen-App die runtergefallene Gabel unter dem Tisch suchen; im Hotelzimmer angekommen die Kerzen-App starten und mit dazu passender Musik den Abend stilvoll ausklingen lassen.